Sie sind hier:

„Meinem Vater hätte es gefallen, hier zu sein“

„Wir wollen diesen Abend dem Künstler Zarganar widmen“. Mit diesen Worten stimmte Bürgermeister Jens Böhrnsen die Gäste in der Oberen Rathaushalle auf die festliche Verleihung des Bremer Solidaritätspreises am 15. Februar 2011 ein. Es ist eine Auszeichnung für diejenigen, die mutig gegen Unterdrückung und Willkür eintreten, die ihre Stimme für die Wahrung der Menschenrechte und für die Freiheit erheben. Für Menschen wie den Burmesen Maung Thura, genannt Zarganar, der seit vielen Jahren unerschrocken mit den Mitteln eines Poeten und Komikers die Militärjunta in seinem Heimatland kritisiert, der freie Wahlen fordert und immer wieder die Einhaltung der Menschenrechte anmahnt. Dafür wurde ihm nun der mit 10.000 Euro ausgestattete Bremer Solidaritätspreis zuerkannt. Sein Sohn Myat Kaung, der aus dem amerikanischen Exil anreisen konnte, nahm die hohe Ehrung stellvertretend entgegen: „Meinem Vater hätte es gefallen, hier zu sein“.

Zarganar ist seit 2008 in Haft. Bereits bei den Aufständen 1988, die das Militär blutig niederschlug, war Zarganar als einer der Wortführer der Studierenden dabei und äußerte harsche Kritik an der seit 1962 regierenden Militärdiktatur. Ohne Prozess wurde er 2008 nach den verheerenden Verwüstungen durch einen Zyklon im Zusammenhang mit seinem humanitären Engagement für 59 Jahre inhaftiert, von denen er nach derzeitigem Stand noch 33 Jahre absitzen muss. Neben der inzwischen freigelassenen Aung San Suu Kyi (sie wurde 1993 mit dem Bremer Solidaritätspreis ausgezeichnet) gilt er als die herausragende Persönlichkeit der demokratischen Protestbewegung Myanmars.

Während der bewegenden Feier im Bremer Rathaus war er gleichwohl ständig präsent – in eingespielten Filmszenen, in den Worten der Laudatoren und in den Schilderungen seines Freundes und Künstlerkollegen Htein Lin, der über die bedrückenden Haftbedingungen sprach. Zarganar sitze in Einzelhaft, habe kein Bett, dürfe nicht lesen und schreiben, die seltenen Besuche würden überwacht. Dennoch konnte Htein Lin ein Gedicht vorlesen, das Zarganar schrieb und aus dem Gefängnis schmuggeln konnte. „Ich bin zutiefst erfreut über die Auszeichnung", sagte Htein Lin. Der Solidaritätspreis wird dazu beitragen, dass die Welt an ihn denkt.“ Zugleich erinnerte er an die etwa 1200 weiteren politischen Gefangenen in Myanmar (Burma).

Myat Kaung, Sohn des Preisträgers (links) und Künstlerkollege Htein Lin mit der Skulptur zum Bremer Solidaritätspreis

Auch Festredner Johano Strasser, Schriftsteller und Präsident des P.E.N., sprach über die Bedingungen, unter denen die Menschen in Myanmar seit 50 Jahren leben. „Es ist eine der blutigsten Diktaturen der Welt“, so Strasser. Die Menschen lebten in ständiger Angst. „Für Diktatoren sind Witze gefährlich“, sagte er unter Würdigung der zahlreichen komischen Auftritte von Zarganar. Das Lachen sei schon immer eine Form des Widerstandes gewesen. Künstler wie Zarganar würden mit ihrem Mut, ihrer Kraft und ihrer subversiven Feindesliebe die Unterdrückung der Tyrannen demaskieren. „Wenn wir uns heute hier mit dem Preisträger Zarganar solidarisch erklären, geht es auch um uns“, mahnte der Schriftsteller. Niemand könne sich seiner Freiheit gewiss sein, solange sie irgendwo auf der Welt unterdrückt werde.

Der Bremer Solidaritätspreis geht übrigens zum ersten Mal in seiner 12jährigen Geschichte an einen Kulturschaffenden. „Wir wollen damit auch deutlich machen, dass die Kultur in die Mitte unserer Gesellschaft gehört und von ihr eine große Kraft ausgeht“, so Bürgermeister Jens Böhrnsen. Auch der Preis ist ein Kunstwerk - eine moderne Skulptur, geschaffen von dem Bremer Künstler Bernd Altenstein. Sie bringt symbolhaft die Bremer Stadtmusikanten als solidarisch Handelnde zum Ausdruck.

Am Vorabend der Feier war im Bremer Rathaus der dokumentarische Spielfilm „The prison where I live“ gezeigt. Der britische Filmemacher Rex Bloomstein und der deutsche Kabarettist Michael Mittermeier (persönlich schon lange für soziale Projekte im ehemaligen Burma engagiert) waren gemeinsam mit einem kleinen Team nach Burma gefahren, um “undercover” und unter großem Risiko Zarganars Spuren zu folgen und mit Gefolgsleuten, Freunden und Familie zu sprechen. Der bewegende Film zeigt den Künstler in letzten Aufnahmen vor seiner Verhaftung.

Fotos und Text: Senatspressestelle

Presse

WESER-Kurier (pdf, 1005.1 KB) vom 16.02.2011
Kreiszeitung (pdf, 165.2 KB) vom 16.02.2011