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12. Bremer Solidaritätspreis

Maung Thura, „Zarganar“ (Burma/Myanmar)

Satiriker und Schauspieler, Engagement im Kampf gegen HIV/AIDS, Regierungskritiker

Maung Thura, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Zarganar“, ist Schauspieler und Satiriker aus Myanmar. Gegenwärtig ist er inhaftiert, da ihm vonseiten der Militärjunta Myanmars, des „State Peace and Development Council”, fünf Vergehen vorgeworfen werden, u. a. gegen Regeln zur Verteilung von Hilfsgütern verstoßen zu haben.
Der ausgebildete Zahnarzt fing in den frühen 1980er Jahren an, als Satiriker aufzutreten und sah sich schnell bestätigt, Filme zu drehen und zu produzieren. Er gilt noch heute als der beliebteste und erfolgreichste Comedian Myanmars, der auch vor Obrigkeiten nicht zurückschreckt und seine Kritik dabei immer humorvoll verpackt. Bereits bei den Aufständen um den 8. August 1988, die das Militär blutig niederschlug und mehrere hundert Menschen ermordete, war „Zarganar“ als einer der Wortführer der Studierenden involviert und äußerte harsche Kritik an der seit 1962 regierenden Militärdiktatur. Daraufhin wurde er festgenommen, geschlagen und sieben Monate inhaftiert. Nachdem er freikam, fing er wieder an, sich für die Einhaltung der Menschenrechte zu engagieren, forderte freie Wahlen ein und hielt Reden während des Wahlkampfes 1990. Neben Aung San Suu Kyi gilt er als die herausragende Persönlichkeit der demokratischen Protestbewegung Myanmars.
Trotz des überdeutlichen Wahlsiegs der „National League for Democracy“ erkannte das Regime das Ergebnis nicht an und verhaftete zahlreiche Oppositionelle, um sie unter Hausarrest zu stellen oder in Gefängnisse zu sperren. So auch „Zarganar“, der weitere vier Jahre in Haft verbringen musste. Als er 1994 entlassen wurde, kümmerte er sich um die Belange der HIV-Infizierten in Myanmar und drehte mit der Unterstützung lokaler NRO Aufklärungsfilme. Für dieses, dem Regime unliebsame, Engagement erhielt er Auftrittsverbot.
Anfang Mai 2008 verwüstete ein Zyklon ganze Regionen Myanmars, nahm Hunderttausenden das Leben und den Überlebenden darüber hinaus die Existenzgrundlage. Weil die staatlichen Hilfsmaßnahmen sowohl höchst ineffektiv als auch von Korruption behindert waren und ausländische Hilfsorganisationen und Güter zunächst nicht einreisen durften, startete „Zarganar“ eine private Initiative mit rund 400 Helfern, um die Menschen in den betroffenen Gebieten mit dem Nötigsten zu versorgen. Nebenbei dokumentierte er das Ausmaß der Verwüstungen, das vielfach vermeidbare Leiden und kritisierte mit der Veröffentlichung des Materials still die dilettantische staatliche Hilfe. Daraufhin wurde er abermals festgenommen. Sein Computer samt Bildmaterial wurde konfisziert und er verbrachte im Juni vier Wochen ohne Anklage im Gefängnis.
Am 7. August 2008, unmittelbar vor dem 20. Jahrestag des Aufstands von 1988 wurde „Zarganar“ wieder verschleppt und eingesperrt. Diesmal sollte ihm unter anderem wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung und Störung der öffentlichen Ruhe der Prozess gemacht werden. Genauere Angaben machte das Regime bislang nicht. 2009 wurde er vom Gericht zu einer Gefängnisstrafe von 35 Jahren verurteilt. Für seine äußerst bedeutungsvollen sozialen Aktivitäten in Myanmar wurde er 2008 mit dem „Improsoned Artist prize“ der Friedensorganisation „Art Venture Freedom to create“ und 2009 mit dem „International Writer of Courage prize“ von der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. ausgezeichnet.