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Verleihung des 11. Bremer Solidaritätspreises an Frau Immaculée Birhaheka am 16. März 2009

Frau Immaculée Birhaheka (Foto: Cornelia Suhan/medica mondiale)

Mutiges Engagement für die Rechte der Frauen im Kongo

„… In diesem Augenblick, während die ganze Welt jenen Tag feiert, den die Vereinten Nationen den Frauen widmeten, leiden tausende kongolesische Frauen unter allen Arten von Folter und Erniedrigung, ohne dass diese Taten bestraft würden. Frauen siechen weiterhin in den Kerkern der Dörfer und Städte dahin, andere verbringen unterdessen Tage und Monate vor den Türen der Gerichte – auf der Suche nach Gerechtigkeit – einer Gerechtigkeit, die nicht nur von Männern gemacht und nur Männern vorbehalten ist." (Immaculée Birhaheka zum Internationalen Tag der Frau am 08. März 2008)

Immaculée Birhaheka, geboren im Jahr 1959 in der DR Kongo, ist eine der führenden Menschenrechtsverteidigerinnen ihres Landes. Seit ihrer Studienzeit zu Beginn der 80er Jahre setzt sie sich unermüdlich für die Rechte der Frauen ein. Noch während der Diktatur Mobutus gründete Immaculée Birhaheka Anfang der 90er Jahre die kongolesische Organisation zur ‚Förderung und Unterstützung von Fraueninitiativen’ (Promotion et Appui aux Initiatives Féminines – PAIF).
Seither dokumentiert PAIF in den Kivu-Provinzen die allgegenwärtigen Gewaltverbrechen an Frauen und Mädchen und prangert konsequent Menschenrechtsverletzungen an. Als Leiterin von PAIF verleiht Immaculée Birhaheka vergewaltigten Frauen eine Stimme, klärt über Menschenrechte auf und streitet gemeinsam mit den Überlebenden der Gewalt in der kongolesischen Öffentlichkeit und bei den Behörden für die Durchsetzung ihrer Rechte. Frau Birhaheka organisiert außerdem die medizinische Versorgung von Überlebenden sexualisierter (Kriegs-) Gewalt und ermöglicht den Frauen Zugang zu Alphabetisierungskursen sowie zu psychosozialer und ökonomischer Unterstützung.

Hoffnungsträgerin für eine bessere Zukunft

Immaculée Birhaheka brachte und bringt als eine der wenigen Aktivistinnen im Kongo den Mut auf, die kongolesische Politik und Öffentlichkeit mit Themen wie (Kriegs-) Vergewaltigungen zu konfrontieren. Immer wieder hat sie in den vergangenen Jahren die schweren Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land öffentlich angeklagt. Frau Birhaheka engagiert sich mit PAIF gegen die Straffreiheit der Täter und für eine juristische, ökonomische und soziale Gerechtigkeit für die Überlebenden. Für jede einzelne Frau, die den Weg zu PAIF oft mit Unterstützung von Immaculée Birhaheka und ihren Kolleginnen geschafft hat – aber auch für diejenigen, die noch nicht so weit sind oder deren von Gewalt geprägte Lebensumstände eine direkte Kontaktaufnahme nicht erlauben, stellen die Frauen von PAIF Hoffnungsträgerinnen dar. Immaculée Birhaheka vermittelt nicht nur individuelle Unterstützung, sondern steht für die Idee einer grundsätzlichen Stärkung der Rolle der Frauen in der DR Kongo.

Schutz und Anerkennung für Immaculée Birhaheka

Aufgrund ihres Engagements wird die Menschenrechtlerin immer wieder bedroht, sowohl seitens der Behörden als auch von verschiedenen Milizen. Seit 1997 wurde Immaculée Birhaheka mehrmals willkürlich festgenommen, in Militärgefängnissen festgehalten, in Haft misshandelt und gedemütigt. Um sie zu kontrollieren und einzuschüchtern, durchsuchen Sicherheitskräfte in regelmäßigen Abständen ihr Zuhause. Zu ihrem Alltag zählen auch persönliche Schicksalsschläge und Gewaltakte gegen Familienangehörige. Im Kampf für die Menschenrechte in der DR Kongo steht Immaculée Birhaheka in ihrem Land in der ersten Reihe. Ihr Engagement für die Menschen- und Frauenrechte bedeutet für sie ständige Bedrohung.
Die Verleihung des Solidaritätspreises an Frau Birhaheka kann für ihr mutiges Engagement und für die wichtige Arbeit von PAIF Anerkennung ausdrücken, Öffentlichkeit herstellen und damit den für sie notwendigen Schutz erhöhen.

Rede Frau Bürgermeisterin Karoline Linnert (pdf, 80.2 KB)

Laudatio Frau Monika Hauser, medica mondiale (pdf, 48.4 KB)